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Medienratgeber für Eltern

Gesund groß werden im digitalen Zeitalter ist das Ziel von ECHT DABEI – und vieler Eltern. Die Mediennutzung ihrer Kinder betrachten viele von ihnen allerdings mit gemischten Gefühlen. Denn den möglichen Chancen stehen immer auch Risiken gegenüber. Im Medienratgeber für Eltern zeigen wir Ihnen, worauf Sie beim Thema Mediennutzung in welchem Alter achten sollten. Fallbeispiele aus der Praxis ergänzen die jeweiligen Rubriken.

Tipps und Tricks für weniger Stress im Alltag

Wie Medien wirken, ist vor allem eine Frage des Alters. Wählen Sie hier die für Ihr Kind zutreffende Altersgruppe aus. Anschließend erfahren Sie, welche Entwicklungsschritte Ihr Kind in diesem Alter durchläuft, wie Medien in diesem Alter wirken, welche Medien empfehlenswert sind und was bei Medienstress im Alltag wirklich hilft.

Entwicklungsschritte

0 – 1 Jahre

Im ersten Jahr lernt Ihr Baby Schritt für Schritt seinen Körper kennen. Es lernt Greifen, Sitzen, und Krabbeln. Es entdeckt seine Umwelt. In den ersten Jahren baut Ihr Kind die Bindung zu Ihnen auf.

1 – 2 Jahre

In direkter Erfahrung mit seiner Umwelt schärft Ihr Kind alle Sinne. Wichtige Entwicklungsschritte sind das Laufen und anfängliches Sprechen. Ihr Kind kann seine Gefühle wahrnehmen, und auch die Gefühle von anderen.

2 – 3 Jahre

Nun wird Ihr Kind immer mobiler: ob zu Fuß oder mit dem Laufrad. Es schließt erste Freundschaften und unterhält sich gern mit Gleichaltrigen. Ihr Kind versteht nun auch, dass seine eigenen Wünsche nicht immer die Ihren sind.

Medienwirkung

So wirken Bildschirmmedien

Sie verdrängen den unmittelbaren Kontakt mit der Welt und anderen Menschen. Die für ein Baby unverständlichen, oft lauten und grellen Inhalte überfordern und können zu Ängsten und Schlafschwierigkeiten führen. Kinderärzte raten: Setzen Sie Ihr kleines Kind nicht dem Bildschirm aus! Auch nicht „passiv“.

Eine Familie erzählt

Tina (30) und Bernd (32) erzählen:

„Wenn unser Kleiner (6 Monate) wach ist, ist bei uns bildschirmfreie Zeit. Kein PC, kein iPhone und über den Fernseher hängen wir ein Tuch. Guter Nebeneffekt: Die beiden großen (5 und 8 Jahre) gucken weniger als vorher, so nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn. Sie haben sich prima allein beschäftigen gelernt und sind nicht mehr an Dauerbespaßung durch den Bildschirm-Babysitter gewöhnt."

Tipps und Tricks für eine entspannte Medienerziehung in der Familie

  • Gönnen Sie sich und Ihrem Kind Zeiten der intensiven Zuwendung mit viel Körperkontakt und Nähe.
  • Empfehlenswerte „Medien“ sind in diesem Alter folgende: Sprache (direkte Ansprache), Bücher (zum Vorlesen oder Anschauen) und Musik (selber machen oder zuhören).
  • Ihr Fernseher und Computer sollte sich nicht im Sicht- und Hörbereich des Kindes befinden.
  • Wichtig sind für das Baby auch Zeiten der Stille. Dann kann es sich, seinen Körper und seine Umgebung wahrnehmen und erkunden.
  • „Üben" Sie allmählich ein, dass es Ruhezeiten gibt. Auch ein kleines Kind kann sich alleine beschäftigen. Erst drei, dann fünf, dann zehn und 15 Minuten. Was anfangs vielleicht schwer ist, erweist sich über Jahre als Gewinn für Eltern und Kind.

Entwicklungsschritte

Ihr Kind erlernt immer anspruchsvollere Bewegungen: Rennen, Balancieren, Klettern, Schnürsenkel binden, beim Malen einen Stift übers Papier führen. Die Sprache entwickelt sich in diesem Alter rasant. Auch die Gefühlswelt wird vielfältiger: Zu Freude und Trauer kommen Eifersucht, Stolz, Mitgefühl …

Zuwendung und Ansprache durch die Eltern stärken das Selbstbewusstsein. Rhythmus und Wiederholungen in Sprache und Musik vermitteln dabei Geborgenheit.

Das Kind kann sich zunehmend von der Gegenwart lösen. Es kann über Vergangenes berichten, auf Zukünftiges warten. Zeit und Raum für kreative Rollenspiele mit Gleichaltrigen sind wichtig, denn in diesem Alter gilt:
Spielen ist Lernen!

Medienwirkung

So wirken Bildschirmmedien

Sie stehen in Konkurrenz zum Buch und zum Erkunden der Welt mit allen Sinnen. Sie fesseln auch unruhige Kinder vor dem Bildschirm. Danach nimmt aber die Unruhe zu. Setzen Sie Ihr Kind möglichst wenig dem Bildschirm aus! Das gilt für TV, DVD, Handy, iPhone und Computer. Wichtig: Keine Bildschirmgeräte im Kinderzimmer!

Eine Familie erzählt

Nadja (35), alleinerziehend, Lukas (10) und Johanna (5):

„Bei Lukas hatte ich den Fernseher als Druckmittel eingesetzt: „Wenn du nicht aufräumst, gibt´s kein KiKA!“ Das ist richtig ausgeartet. Irgendwann hat er nichts mehr ohne die Drohung „KiKA-Entzug“ gemacht. Da war´s für mich mehr Stress als Entlastung. Es war schwer da wieder rauszukommen, aber wir haben es geschafft. Bei der Kleinen hab ich das von vornherein nicht so einreißen lassen."

Tipps und Tricks für eine entspannte Medienerziehung in der Familie

  • Bewegung, auch an der frischen Luft, ist wichtig für die körperliche Entwicklung und Gesundheit und sorgt für gute Laune.
  • Absprachen helfen! Mama und Papa, Oma und Opa sollten an einem Strang ziehen, dann können Regeln stressfreier umgesetzt werden.
  • Vorsicht Werbung: Besser als Fernsehen sind DVDs (kurze Sendungen in Begleitung von Erwachsenen). Damit vermeiden Sie viel zermürbendes Quengeln („Mama, kauf mir das!“).
  • Der spätere gute Umgang mit dem Bildschirm will gelernt sein. Jetzt sind dafür Sprache, Bücher und Hörmedien (Musik) empfehlenswert. Die regelmäßige vorgelesene Gute-Nacht-Geschichte gibt Geborgenheit. Zusätzlich ist sie die beste Leseförderung.

Entwicklungsschritte

Mit der Einschulung steht ihr Kind vor neuen Aufgaben und Herausforderungen. Dabei geht es nicht nur um Lesen, Schreiben, Rechnen. Zusätzlich zur Familie werden Beziehungen zu Gleichaltrigen immer wichtiger. Dies läuft nicht immer glatt. Wichtig ist ein gutes Vorbild von Erwachsenen. So lernen Kinder mit Ärger, Aggression und Frust umzugehen, ohne andere ernsthaft zu verletzen. Spielerisches Raufen und Wortgefechte sind normal.

Selbstüberschätzung ist in diesem Alter häufig. Vor großen Fehlern sollten sie ihre Kinder schützen. Überbehütung schadet aber dem Selbstbewusstsein. Kleine Fehler und Misserfolge gehören zum Leben und zum Lernen. Wer trotz Widerständen dran bleibt und Erfolg hat, gewinnt Selbstvertrauen und eine gesunde Selbsteinschätzung.

Medienwirkung

So wirken Bildschirmmedien

Studien zeigen: die Nutzung von Bildschirmmedien wirkt sich schädlich aus, wenn bestimmte Regeln nicht beachtet werden. Diese sind:

  • Begleitung durch Erwachsene und Austausch über das Erlebte
  • Vermeidung von ungeeigneten Inhalten (Altersfreigaben wie FSK/USK beachten)
  • klare Zeitbegrenzungen (bei fünf und mehr Stunden wöchentlich vor dem Bildschirm leiden die Lesefähigkeiten und das Sprachverständnis).

Eigene Bildschirmgeräte im Kinderzimmer sind nicht zu empfehlen!

Eine Familie erzählt

Tobias (38) und Maria (32):

„Als Jonas Probleme mit dem Lesenlernen hatte, haben alle empfohlen: Mehr Vorlesen, weniger Fernsehen, Spielkonsole und DVDs. Jonas darf jetzt nur noch am Wochenende an den Bildschirm. Der erwartete große Protest blieb aus. Gut, die ersten Wochen waren wirklich schwierig, es gab viel Langeweile und Gequengel, aber jetzt ist es durch die klare Regel viel entspannter. Und Jonas liest schon viel besser.“

Tipps und Tricks für eine entspannte Medienerziehung in der Familie

  • Ermutigen Sie ihr Kind, Freundschaften zu pflegen, Sport zu machen, ein Instrument zu lernen! Überraschend, aber wahr: Dies ist die beste Vorbeugung gegen Computerspiel-Sucht, Cyber-Mobbing, Gewalt, Pornos und Abzocke im Internet. Eine solide Verankerung im Leben, wirklicher Erfolg und echte Anerkennung schützen vor der Suche nach „billigem“ Ersatz im Virtuellen.
  • Keine Handys oder Smartphones im Grundschulalter! (allenfalls „Seniorenmodell")
  • In den unteren Klassen sollten PC-Hausaufgaben große Ausnahme bleiben. Es gilt: Keine PC- und Internetnutzung ohne erwachsene Begleitung. Fordern Sie ruhig einen beaufsichtigten Medienraum an der Schule dafür ein.
  • Falls es nicht möglich ist, sich immer daneben zu setzen: Richten Sie für das Kind einen eigenen Benutzeraccount mit Zeitbegrenzung und Internet-Filtersoftware (Whitelist) ein.

Entwicklungsschritte

Mit der Pubertät stehen große körperliche Veränderungen an. Stimmungsschwankungen können zum Alltag gehören. Freundschaften mit Gleichaltrigen, auch gegengeschlechtliche, gewinnen weiter an Bedeutung. Keine leichte Balance für Eltern: das gesunde Maß an Selbständigkeit zugestehen, aber die nötige Verantwortung erhalten.

Kinder wirken in diesem Alter oft erwachsener als sie wirklich sind! Besonders die verfrühte Sexualisierung wird durch Medienwelten und Werbung noch verstärkt. Umso wichtiger ist es, Gegengewichte zu schaffen. Toben, Kuscheln, Albern sein: kurz, einfach Kind sein dürfen.

Medienwirkung

So wirken Bildschirmmedien

Im Übergang zum Jugendalter sind Kinder oft fasziniert von der digitalen Welt. Um die Vor- und Nachteile genügend abzuschätzen, fehlt ihnen aber noch der Überblick. Bleiben Sie mit Ihrem Kind im Gespräch. Durch dosierte, gut ausgewählte Lehrfilme und Lernsoftware können Kinder beim Lernen unterstützt werden.

Die Ausstattung mit eigenen Geräten bringt aber Probleme mit sich: Die Nutzungszeiten sind dann fast doppelt so hoch. Die Alterseinstufungen (FSK/USK) sind nach wie vor wichtig. Sie werden dann aber eher missachtet. Achtung: Gewalt und Pornografie!

In diesem Alter empfehlen Experten:

  • keinen eigenen Account bei Facebook o.a. sozialen Netzwerken
  • keine mobilen Endgeräte
    (Smartphone)
  • keine eigenen
    Bildschirmgeräte im Zimmer

Eine Familie erzählt

Selina (13) und Mehmet (10):

„Ein iPhone, ist doch klar!", war die Antwort. Oma hatte uns nach Wünschen zu Weihnachten gefragt. Kaum hatten Mehmet und ich ausgepackt, hatten Mama und Papa die iPhones schon weggenommen. Mehmet hat geschrien, ich habe eine Woche nicht mit ihnen geredet. Mit dem Kompromiss kann ich leben: Umtausch der iPhones gegen normale Handys, nur zum Telefonieren und Simsen, naja. Aber mit 16 bekomme ich ein iPhone, das habe ich schriftlich. Und vom Restgeld werden Mehmet und ich allein zu Oma und Opa in die Türkei fliegen. YOLO!“

Tipps und Tricks für eine entspannte Medienerziehung in der Familie

  • Vereinbaren Sie schriftlich Zeitbegrenzungen (z.B. sieben Stunden pro Woche). Es lohnt sich, Konflikte ruhig durchzustehen: Besser Zoff mit zehn als Sucht mit siebzehn!
  • Ohne Führerschein nicht an den Lenker eines Autos, ohne Abschluss eines 10-Finger-Tippkurses nicht an den PC. Klingt radikal, hat sich aber vielfach bewährt.
  • Ein guter Tipp für Familien mit Jugendlichen: gemeinsamer Internet-PC in der Wohnküche. Es gibt zwar mehr Verhandlungen, wer wann dran darf. Eltern behalten aber so den Überblick über Zeiten und Inhalte.
  • Falls es nicht möglich ist, sich immer daneben zu setzen: Richten Sie für das Kind einen eigenen Benutzeraccount mit Zeitbegrenzung und Internet-Filtersoftware (Whitelist) ein.